Erinnerst Du Dich? 7. Oktober 1989 – Wende. Geschichte.

Geschichte erlebt haben, ist wie Wikipedia nur in krass-real

Die DDR, das Jahr 1989 und die Wende – für meinen Sohn wird es Stoff im Gechichtsunterricht sein – so wie für uns, Generation 40 Plus, der zweite Weltkrieg Geschichte war und für unsere Eltern aber zumindest, Großeltern – gelebte Realität. Wie sich „die Wende“ anfühlte am damaligen Tag der Republik 1989 – als ich Teenager war und eigentlich das erste Mal mit „Politik“, Zeitgeschehen und Staats-Gewalt im wahrsten Sinne des Wortes bewußt in Berührung kam – zeigt mein Schulaufsatz von damals.

Wenn ich mir bewußt mache, dass mein Sohn – jetzt 6 Jahre alt, gerade eingeschult – mich fragt, was eine Kassette ist, dann stelle ich fest, dass ich a) alt bin und b) dass speziell in den letzten Jahrzehnten sehr viel passiert ist und das nicht nur im technischen – vielmehr im realen Leben.

Und wenn meine ehemalige lieblings- „Wessi“ Kollegin, gerade mal 30 Jahre alt – mich fragt, wie war es im Osten, wie es sich anfühlte und fragt, „wie hat Du die ‚Wende‘ erlebt“ – immerhin war ich 14 / 15 Jahre alt – dann ist klar, ich war Zeitzeugin, ganz bewußte, wenn auch aus Teenagersicht. Und ich erinnere mich mit ganz viel Gänsehaut an jene Zeit die NACH dem 07. Oktober 1089 folgte – die Öffnung der Mauer, das erst mal in West Berlin, das Begrüßungsgeld (ich war reich!!) – die Farben, das Neue … ich erinnere mich deutlich an den Unglauben an das Ganze, meiner Eltern, die Tränen meines Vaters als er mir versprach, wir werden auch nach Westberlin gehen – aber alle zusammen, keiner allein, die Angst beider Eltern – um uns als Familie aber auch ihre eigene Neugier auf das „hinter der Mauer“… so viele Emotionen kommen dabei hoch.

Aber bevor wir alle dies erleben konnten, gab es die Zeit, den Sommer 1989 und die Besetzungen der Botschaften – und eben diesen 07. Oktober 1989, den Nationalfeiertag der DDR, den Tag an dem die Menschen sich nicht mehr wegduckten – auch die Normalos, wie wir es fast alle waren – nicht. Wo wir aufhörten aus Angst einfach hinzunehmen, Zweizüngig und geduckt unseren Alltag meisterten, anstatt aufzustehen und deutlich Stellung zu beziehen. Das ist kein böses Werten, das war pures Überleben in einem System, wie dem in der DDR.

Dieser Aufsatz, den ich 1989 über meine Erlebnisse im Oktober schrieb, wäre noch in den Monaten davor, undenkbar gewesen. Jetzt als Mama und jetzt, nach so vielen Jahren, ziehe ich meinem Hut vor meinen Eltern, die mich haben diesen Aufsatz genau so schreiben lassen, wie ich ihn dann zur Bewertung an die Lehrerin abgab. Und ich habe auch vor der Lehrerin höchsten Respekt ob Ihrer Benotung, die sehr gut ausfiel, was nicht selbstverständlich war, trotz vielleicht erbrachter Leistung. Diese Lehrerin war auch schon meine Lehrerin VOR diesen Tagen und zum Zeitpunkt des Aufsatzes war nicht wirklich klar, was mit der DDR und dem System passiert – es stand eben nicht fest, was heute jeder weiß oder irgendwann im Geschichtsunterricht lernt. Es war ein Risiko – ich war 14 – die Erwachsenen um mich herum waren die, die die „Wende“ nicht einschlafen ließen sondern umsetzten – jeder auf seine Art und jeder mit seinen Möglichkeiten und seinem Mut.

Lest hier meinen Aufsatz von 1989

Wendepunkte, eine Chronik des Tages im Gesamten vom rbb – 7. Oktober 1989.




Wartezimmer, Frauenarzt und Wunder kurz vor der Einschulung

Gestern war ich mit meinem Sohn beim Gynäkologen – bei mir stand eine Vorsorgeuntersuchung an und er musste aus Mangel an Aufsicht und Bespielung mit… er wartete im Wartezimmer. Seit er da ist – ist für mich dieses Wartezimmer irgendwie etwas besonderes und das kommt so…

Ich sah mich hier 2011 sitzen – hatte bereits drei positive Drogerieschwangerschaftstests auf einmal vorzuweisen. Kam mir komisch vor, da ich  bisher immer nur aus „Pflicht“ und zum Rezeptholen hier war. Nun war es anders. Ich war so voller Erwartung, so aufgeregt – freudig nervös und dachte, eigentlich müsste mir Jeder / Jede hier ansehen „was los ist“….

2018 –

Mein Sohn spielte, quasselte wie üblich vor sich hin, erklärte mir die Unterschiede zwischen Velociraptor und Indominus Rex (ja, so hab ich auch geguckt beim ersten Mal – einfach mal googlen oder Verlinkung anklicken) und war einfach zufrieden und glücklich. Und als er dann hochschaute und mich angrinste mit seinen derzeit zwei fehlenden Zähnen – vorn, da übermannten mich Erinnerungen und Gefühle – plötzlich war da ein Kloß im Hals und die Augen wässerten sich.

Das kurz vorweg bevor’s noch emotionaler wird:

Was man sagen kann, diese Drogerietests – und ich glaube vor allem, wenn sie sofort nach dem „Befeuchten ausschlagen“ –  sind zuverlässig. Der einstmals rote Strich auf dem Teststreifen ist nun über 6 1/2 Jahre, mein ganzer Stolz und mein absolutes Meisterwerk – und steht aktuell ganz kurz vor der Einschulung. Ganz genau, sind es keine 24 Stunden mehr.

Einschulung 2018

Diese Woche testete er bereits den Hort, die großen Kinder, den Schulhof und alles was halt eine Schule ohne Unterricht so mit sich bringt – und manchmal denke ich so bei mir: ich tu mich schwerer mit all dem Neuen, als er.

Ja, man muss loslassen und laufen lassen und so – und ich glaube, ich mach das auch ganz gut – auch wenn ich mir oft selber auf die Finger klopfen muss und mich in die „stille Ecke stelle“ – mein Männchen packt das, er ist nun (m)ein kleiner Großer und darauf bin ich mega Stolz. Das wiederum führt sehr wahrscheinlich morgen dazu, dass ich in der Öffentlichkeit weinen werde.

Quarknase: ich bin Stolz auf Dich, du bist so wunderbar!

UPDATE: Der Schulalltag tritt ein. Filius stellt fest, er hat (nach gerade mal 3 Wochen Schule) – weniger Kumpels, er muss früher und pünktlich aufstehen und er muss statt zu spielen, aufpassen, still sein und lernen.

Das findet er alles abwechselnd eher doof.

Wobei das Lernen nicht DAS Problem ist, nur das er gern, nur das für ihn wichtige lernen wollen würde… der Rest? Wer braucht den schon?

Fazit: Mussa durch!




Herz über Kopf – wenn der Verstand Pause macht

Das Leben ist kein Ponyhof, das ist bekannt.  Erwartet heut zu Tage, glaube ich, auch keiner mehr wirklich. Leistung zählt – viel Leistung. Das läßt oft wenig Blick nach rechts und links zu. Da nehme ich mich nicht aus, genau wie vermutlich Jeder andere. Aber was und wer sind wir, ohne Menschlichkeit? Wenn der Verstand aussetzt, muss doch das Herz übernehmen…

Heute morgen, las ich im Tagesspiegel online den Artikel „berlin-tegel-warum-eine-mutter-mit-kinderwagen-einen-bvg-bus-verlassen-musste“ . Mein Verhältnis zur BVG, insbesondere zu Bussen, ist ja ein allgemeinbekannt, Schwieriges. Sicher, daran ist nicht immer der Fahrer Schuld, aber er ist nunmal der „Mann an der Front“. Busse kommen entweder gar nicht oder drei auf einem Haufen und zur falschen Zeit, um dann wider nicht mehr zu kommen.

So muss es auch an diesem Tag gewesen sein, der im oben genannten Artikel beschrieben war. Auf Busse zu warten ist nie eine Freude, bei knallender Sonne und gefühlten 56 Grad – erst recht nicht. Schonmal überhaupt nicht mit Kindern. Und einen Platz (damit ist nicht der bequeme Sitzplatz gemeint) in einem öffentlichen Verkehrsmittel MIT Kinderwagen zu bekommen, ist im normalen Alltag schon wie ein Sechser im Lotto und dann nur rollende Augen, aber keine verbalen Pöbeleien abzubekommen, ist der Jack Pot. Wie oft hat man Sechser in Lotterien oder Jack Pots so im Durchschnitt? Hmmm… genau: so gut wie nie….
Davon kann die Mama, deren Erlebnis im Tagesspiegel-Artikel beschrieben wurde, sicher ein sehr erschütterndes, trauriges Lied singen. Denn nach einer Tortur-Wartezeit bei genannten Witterungsverhältnissen und Umständen – sich vermeindlich endlich mit seinen Kindern, in „Sicherheit“ zu wägen um dann einem BVG-Bediensteten zu begegnen, dessen Herz und Verstand zur selben Zeit aussetzten – der es tatsächlich fertig bringt, diese Mutter wieder auf die Strasse zu stellen, weil …. ja warum eigentlich?? Wegen der Vorschriften, natürlich. Diese haben unbedingt ihre sicherheitsrelevanten Berechtigungen – sie müssen und sollten vom Fachpersonal  allerdings auch in angemessener Art und Weise, vorgetragen und erläutert werden können – das kann auch die Berliner-Schnauze. Meine Geschichte in  „Mit’m Fahrrad nisch in ersten Wagen“ erzählt davon.

Und ebenfalls die Herzen, Köpfe und vorallem Münder der anderen Passagiere im Bus, scheinen wohl auch eher  nur leidlich funktioniert zu haben – ja es war warm, jeder wollte schnell, dringend wohin… aber sonst reißt auch jeder ungefragt seinen Mund auf. Beistand, Unterstützung, Hilfe… das geht auch mit dem Kiefermuskel.

Und NEIN, nicht die empörte Mutter erzählt diese Geschichte. Es ist der einzige Fahrgast, der sich Anbot, seinen Platz für die Mutter mit zwei KLEIN-Kindern zu räumen. Und auch er wurde leidtragend, denn ihm wurde das Aussteigen verweigert – vom BVG Personal. Denn er ist auf deren Hilfe, eine Rampe zum ein- und aussteigen auszulegen, angewiesen.

Warum mich diese Geschichte so beschäftigt?…

Recht simpel: jede Mutter – erstrecht die mit Kinderwagen – kennt das unerwünschte Gefühl, welches man erntet, wagt man es sich, in ein öffentliches Verkehrsmittel zu steigen… Das ist unabhängig von Tag und Uhrzeit. Morgens und Nachmittags „stört“ man den Berufsverkehr. Dazwischen die griesgrämigen Alten, die vergessen haben, dass sie selbst auf Hilfe und Wohlwollen angewiesen sind, vielleicht mal sein werden.

Ich habe es tunlichst versucht zu vermeiden, Öffentliche zu fahren. Ich und einige meiner Mütter-Freundinnen… so sind wir Kilometerweit gelaufen – bei fiesem Wetter, mit müde-quengelndem Kind oder haben halt tatsächlich Dinge nicht mehr getan, die wir tun wollten, weil Laufen einfach keine Option war. Eigene Schuld? Ja, vielleicht… aber eine kurze, für mich sehr prägnante Geschichte, die mir vor unserer Haustür wiederfuhr und die mir nachhaltig, eben bis heute, lebhaft in Erinnerung ist:

Vor unserer Tür verläuft ein normaler Fußweg – ich denke 3 max 4 Meter breit. Laut Straßenamt also schon recht breit. Wäre da nicht auf diesem Fußweg noch eine Haltestelle für Tram und Busse inklusive überdachten Wartehäuschen mit Bänken. Und obendrauf, wurde das Ganze so clever positioniert, dass zwischen Wartehaus, Busfahrplanschild und Bordstein eben auch noch eine Laterne rumsteht. Da bleibt nicht viel FUSSweg, da stehen wartende Menschen in dem Meter zwischen Plan und Laterne aka Fahrplanpfosten. Und da stehen Wartende vor dem Haltestellenhaus… ergo, schon als normaler FUSSgänger, ist dort ein vorbeikommen kaum möglich. Man stelle sich nun das Erwarten von Tram und Bus vor und viele, viele Menschen und garstige Senioren, die in der Regel sehr wenig Zeit und Geduld haben (besonders Letztere) – gern diesen Meter Gehweg also schon reichlich VOR Ankunft des Verkehrsmittels der Wahl, versperren…
Für das ungehinderte Passieren zweier Fußgänger sind 2,50 Meter nötig – exklusive Laterne, FahrplanPfosten, Wartehaus nebst Wartender…so habe ich es erlesen.

Nun wagte ich es damals, mit meinem Kinderwagen, eben genau diesen Engpass, zu eben genau so einer genannten Zeit und Situation, durchqueren zu wollen. Ich nahm ja auch an, auf einem Fußweg dürfte ich mit meinem Säugling dort entlang schieben.

Ich wurde eines Besseren belehrt. Denn ich Mutter (im negativsten Sinne aller griesgrämigen Greise), bat, da ich nicht durch diesen Meter Spalt passte, obendrauf auch noch gut erzogen bin und eben nicht einfach hindurch rammeln wollte, höflich – „Darf ich bitte mal durch“. Offensichtlich war meine Bitte, etwas Platz zum hindurchgehen zu bekommen auf einem FUSSweg, unerhört. Umgehend stürzte sich eine Zantippe verbal auf mich – was mir denn einfiele HIER durch zu wollen. Auf meinen Hinweis, dass es sich hier um einen FUSSweg handele, ich also fußläufig diesen Weg nutzen wollte. Wurde mir mitgeteilt, ich könne ja schliesslich auch woanders lang gehen. Worauf ich fragte, wo denn ihrer Meinung nach, woanders lang sei… Die Dame zeigte dann nur weiträumig auf die viel befahrene, BVGträchtige zweispurige Straße, die sich ja als Alternativ- und Ausweichweg für Leute wie mich, mit Handicap – also mit Kinderwagen, schließlich anböte.

Ich bin seltenst Sprachlos und Zurückpöbeln, wenn auch nicht pädagogisch wertvoll, funktioniert eigentlich immer… an dieser Stelle war ich es…fassungslos Still.

Ich denke also, mir annähernd vorstellen zu können, wie die Mutter im Tagesspiegel-Artikel sich gefühlt haben muss – mir kommen die Tränen, denke ich an die Hilflosigkeit, die Machtlosigkeit, die Wut, die Verzweiflung, die Enttäuschung und nicht zuletzt, die Angst um das Wohlergehen der Kinder.

Rücksicht – das heisst im Wahrstensinne des Wortes – „Rück-“ – „Umsichherum“ blicken / sehen und wahrnehmen… Das gilt für alle: garstige Senioren, Rushhour-Yuppis, Working- und Kinderwagen-Moms und all die Bro’s und Sistats…

Denn, was wollen wir unseren Kindern beibringen, welche Art von Mensch sollen sie sein, wenn nicht spätestens dann das Menschenherz einsetzt – wenn wir den Verstand verloren haben?

 




wärmiger vs kältiger

Manchmal sind es die Versprecher, die den Tag gut werden lassen und manchmal entstehen die Treffensten und besten Worte ever…

Genau so entstand: wärmiger.

Mein Liebling